Schiffsziele im Visier deutscher Kampfschwimmer
Der Sabotage von Schiffen der Alliierten kam im Laufe des Zweiten Weltkrieges eine immer größere Bedeutung zu. Mit der Ausschaltung der deutschen Luftwaffe und dem Niedergang der deutschen U-Boot-Waffe, spätestens aber mit der Küsteninvasion im Juni 1944 war eine Situation entstanden, in der dringend neue Mittel und Wege gesucht wurden, um feindliche Kriegs- und Handelsschiffe zu zerstören. Die Sabotage von Schiffen in Häfen und auf Reede war immer öfter das Mittel der Wahl und begründete eine neue Epoche des militärischen Tauchens.
Die Häfen in Gibraltar und Südspanien wurden schon früh zum Haupteinsatzgebiet geheimer Sonderkommandos und Agenten, die dort Sprengkörper an Bord schmuggelten oder von außen an der Schiffswand anbrachten. Der Geheimdienstoffizier Friedrich Hummel war der Leiter all dieser Sonderkommandos und der führende Praktiker für Schiffssabotage der deutschen Wehrmacht. Dessen Nachlass, den der Autor für das vorliegende Buch erstmalig auswerten konnte, gibt Aufschluss über viele bisher unzureichend geklärte Fragen:
- Wie kam es zum Einsatz deutscher Kampfschwimmer in spanischen Gewässern?
- Was für Einsätze wurden bestritten
- Wie war der Stand der Technik
- Was geschah bei Kriegsende?
Bereits im Februar 1942, mehrere Monate vor Beginn der heute weitaus bekannteren Angriffe der italienischen Gamma-Kampfschwimmer auf Gibraltar, begannen Hummels Einsätze als Sabotageschwimmer. Ausgestattet mit einem Tauchretter der englischen Firma Siebe & Gormann, gedacht zum Aufsteigen aus einem sinkenden U-Boot, erprobte Friedrich Hummel den umgekehrten Weg: auf sechs bis acht Meter Wassertiefe, bis an die Schlingerleiste der Schiffe, wollte er damit tauchen. Und er schaffte es - wenn auch unter hohem Risiko, denn bereits die kleinsten Anstrengungen beim Schwimmen konnten die Kapazität der Absorberpatrone und der Sauerstoffergänzung überfordern und beim Taucher Vergiftungserscheinungen hervorrufen.
Was war die Vorgeschichte dieser waghalsigen Unternehmungen? Was motivierte Hummel und seine Leute, wie gingen sie vor und vor allen Dingen was erreichten sie?
Erst kürzlich freigegebene Geheimdienstunterlagen im amerikanischen, englischen und russischen Nationalarchiv sowie das Tagebuch der deutschen Seekriegsleitung wurden systematisch ausgewertet, um diesen Fragen auf die Spur zu kommen. Spannend wie einen Agententhriller und zugleich sachlich fundiert wie einen Forschungsbericht, so präsentiert der Autor hier sein Thema und räumt dabei mit mancher Legende um die geheimnisumwitterte Gemeinschaft der deutschen Kampfschwimmer im Zweiten Weltkrieg auf.
Aus dem Inhalt:
Vorwort 7
Schiffsabotage im Ersten Weltkrieg 9
Vom Seemann zum Kriminalkommissar 19
Das Phantom von Gibraltar 25
Schiffsabotage 39
Die »Meereskämpfergruppe Hellmers« 68
Die Brücken von Nijmegen 89
Kriegsende an der Westfront 102
Nachkriegslaufbahn 108
Literaturverzeichnis 118
Namensregister 124
Anmerkungen 126
Geb., 136 Seiten mit Abb
Diesen Artikel haben wir am Donnerstag, 30. März 2006 in unseren Katalog aufgenommen.
