Es ist schwierig, Stalingrad anders als unter dem Aspekt der menschlichen Tragödie zu betrachten, nachdem der Untergang der deutschen 6. Armee sich bereits sogar im Spielfilm in Köpfe und Herzen der Betrachter eingebrannt hat. Der renommierte Wiener Autor hat den Mut zu einer unvoreingenommenen Analyse und bringt erstmals Licht in die genauen Entscheidungsabläufe auf der deutschen und der sowjetischen Seite. Aufgrund welcher Lagebeurteilungen entschieden Hitler wie Stalin, die Stadt an der Wolga müsse um jeden Preis gehalten werden? Akribisch und ausführlich zeichnet der Autor die Beweggründe der Beteiligten nach. Zudem bettet er das „Schlachtfeld Stalingrad" in das gesamte Kriegsgeschehen ein und läßt die Zusammenhänge zu den anderen heftig umkämpften Fronten des Zweiten Weltkrieges in einer bislang nie dagewesenen Faktendichte sichtbar werden. Insbesondere hält er es für unentbehrlich, die Schlacht um den Kaukasus parallel zum Kampf um Stalingrad darzustellen, damit der Leser die Vorgänge an Don und Wolga überhaupt verstehen kann. Zahlreiche detaillierte Lagekarten machen das Geschehen zusätzlich transparent. War es ein strategischer Fehler, im Sommer 1942 den Kaukasus und Stalingrad gleichzeitig anzugreifen? Sollte die Besetzung Stalingrads auch ein Faustpfand für deutsch-russische Friedensverhandlungen darstellen? Fehlten der deutschen Seite wirklich nur lächerliche zwei Divisionen zur vollständigen Eroberung der Stadt? Hätte entschlossenes Handeln den sowjetischen Ring um Stalingrad sprengen können? Ergab die menschliche Tragödie des Unterganges der 6. Armee einen militärischen Sinn durch die Bindung von sechs sowjetischen Armeen? Der Autor erweist sich als glänzender Sachkenner und kluger Analytiker, der dem verzerrten Bild von angeblich sinnlosem und starrsinnigem Verhalten der deutschen Führung einen Entwurf der deutschen strategischen Ziele und der praktischen Erfolge und Mißerfolge gegenüberstellt.
Geb., 318 Seiten, mit Bildseiten, 2007
Einführung S 5
I. Das strategische Panorama am Ende des Winters 1942 .
Die Winterschlacht im Osten und ihre Folgen
Luftbedrohung und Luftverteidigung
Dilemma Rüstungsproduktion
Der „Große Plan" und der Kampf im Mittelmeer
II. Die deutschen Kriegsziele: Das Erdöl und die Wolga
Das Ostheer vor neuen Herausforderungen
Der Partisanenkrieg und die „Säuberung des Hinterlandes" Das Unternehmen „Blau" —
Zielsetzung, Vorbereitung, Probleme
Das Gegnerbild aus der Sicht der deutschen Führung
Zur Reorganisation der Roten Armee Die Frühjahrsschlachten der Ostfront Die Ausgangslage
III. Die große Offensive
Verpaßte Chancen — heftige Reaktionen Dramatische Entscheidungen auf beiden Seiten Stalin wirft seine Reserven nach Stalingrad
Die Schlacht um den Kaukasus
Die Lage an der Ostfront Anfang September
Das Zerwürfnis im Oberkommando der Wehrmacht Letzte Angriffe im Kaukasus
STALINGRAD
IV. Das Ringen um Stalingrad
Der Kampf um das Vorfeld
Schlacht zwischen Don und Wolga
Weichenstellungen
„Hinter der Wolga gibt es für uns kein Land mehr!"
Das Ringen um das Industrieviertel
Tschuikow gibt die Schlacht verloren
Das letzte Duell
Rückblick
V. Das „blitzende Schwert der Vergeltung"
Aufmarsch und Täuschungsmanöver
Fehlurteile und Versäumnisse
Der Ring schließt sich
Die Entscheidung: Luftbrücke und Entsatzangriff
Manstein übernimmt den Oberbefehl
Die Operation „Kleiner Saturn"
und der gescheiterte Befreiungsversuch
Zwischenbetrachtung: Operation „Mars" — nur eine Ablenkung?
Schlußwort
Anhang
Anmerkungen
Literaturverzeichnis
Register
Kurzbiographie des Autors
Autor:
Kurzbiographie des Autors
Geboren 1943 in Wien
Oktober 1962 bis Juli 1965: Dienst im österreichischen Bundesheer
1965 bis 1969: Studium der Geschichte (mit besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte) und Kunstgeschichte
Dissertationsthema: Der deutsche Angriff auf Sowjetrußland 1941
Februar 1971: Wiedereintritt in das Bundesheer
Seit 1972: Angehöriger der Landesverteidigungsakademie („Institut für strategische Forschung", später „Institut für Strategie und Sicherheitspolitik") bis Ende 2006
Ab 1993 Stellvertretender Leiter des Instituts
1970-1997 Ständiger Mitarbeiter der Österreichischen Militärischen Zeitschrift
Seit 1982 Lehrbeauftragter beziehungsweise Vortragender an der Universität Salzburg am Institut für Politikwissenschaft
1990 / 91: Habilitation im Fach „Sicherheitspolitik" an der Universität Salzburg Habilitationsschrift: Eurostrategie, Rüstungskontrolle und das Kräfteverhältnis in Europa (erschienen 1992 im Nomos-Verlag, Baden-Baden)
Publikationen (Auswahl):
Abwehrschlacht an der Weichsel 1945: Vorbereitung, Ablauf Erfahrungen. Einzelschriften zur militärischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges Bd. 20, Freiburg im Breisgau: Rombach, 1986.
Die Verteidigung Westeuropas — Doktrin, Kräftestand, Einsatzplanung: Eine Bestandsaufnahme aus der Sicht der NATO. Koblenz: Bernhard & Graefe, 1986.
Kriegswenden in Europa 1939-1945: Führungsentschlüsse, Hintergründe, Alternativen. München-Landsberg: Olzog, 1995.
Die Militärstrategie Deutschlands 1940-1945: Rüstungsentschlüsse, Hintergründe, Alternativen. München, 1997 (erw. u. überarb. Neuauflage von Kriegswenden in Europa 19391945; 3., überarb. Aufl. München: Herbig, 2002.); Übersetzungen ins Englische und Polnische
Entscheidungskampf 1941: Sowjetische Kriegsvorbereitungen, Aufmarsch, Zusammenstoß. Bonn / Bielefeld: Osning, 2000.
Kriegsziele und Strategien der großen Mächte 1939-1945. Bonn/ Bielefeld: Osning, 2006. Über 110 Beiträge in Fachzeitschriften des In- und Auslandes zu Themen der Strategie, Militärgeschichte, Sicherheitspolitik und Geopolitik.
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Diesen Artikel haben wir am Montag, 11. Februar 2008 in unseren Katalog aufgenommen.
